Mitteilung der Brass
zum polizeilichen Grosseinsatz vom 14.8.2026
Am Abend des 14.8.2026 kam es in der Brass zu einer Arbeitsmarkt- kontrolle. Die Inspektor*innen traten hierbei jedoch in Begleitung eines massiven Polizeiaufgebots auf, das unsere Gäst*innen während anderthalb Stunden einer absurden Drohkulisse sowie brutaler Polizeigewalt aussetzte. Dieses Vorgehen hat sowohl uns als auch die anwesenden Gäst*innen nachhaltig schockiert. Wir haben uns deshalb entschieden, die Ereignisse dieses Abends öffentlich zu machen, damit der Aufarbeitungsprozess dieses offenen Einschüchterungsversuchs beginnen kann.
Was geschah
Es war gegen 20 Uhr, der Brassgarten hatte sich mit hungrigen Gäst*innen gefüllt, darunter zwei Familien mit mehreren kleinen Kindern. Der Betrieb lief gerade auf Hochtouren, als etwa 20 Polizist*innen – darunter Uniformierte, Zivilpolizist*innen, Beamt*innen der Fremdenpolizei und Inspektor*innen der Arbeitsmarktkontrolle – beinahe gleichzeitig von der Quartiergasse und dem Blumenweg her auf das Gelände marschierten. Ein Teil von ihnen stürmte noch vor der ersten Erklärung, was sich überhaubt abspielte, die Toiletten und begann sogleich damit, einen Gast an die Wand zu stellen und zu durchsuchen.
Kurz darauf wurde das Personal im Restaurant zusammengetrieben und die Identitätskarten eingefordert. Es handle sich um eine Arbeitsmarktkontrolle. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Polizei das Restaurant aussen auf beiden Seiten abgeriegelt sowie die Zugänge zum Garten von innen versperrt. Vor dem Gartentor standen zwei Polizeivans und eine Polizistin mit Gummischrotgewehr. Die Polizei wies ferner neue Gäst*innen an den Eingängen ab und verbot Gäst*innen im Innern des Gartens, diesen zu verlassen.
Im Innern des Restaurants hinderte die Polizei das Personal zunächst daran, die wartenden Gäst*innen draussen weiter zu bewirten. Sie hatte nicht einmal vor, die im Garten fesgesetzte Kundschaft darüber zu informieren, weshalb sie plötzlich eingekesselt worden war und nicht länger bedient werden durfte. Eine Erklärung erfolgte erst, als das Personal der Brass den Einsatzleiter zu einem Gang vor die Kundschaft drängte. Die Polizei mass der Sicherheit und dem physischen wie psychischen Wohlergehen unserer Gäst*innen schlicht kein Gewicht bei.
Als nächstes wurden während anderthalb Stunden Einzelbefragungen aller Angestellten durchgeführt. Gleichzeitig pickten Polizist*innen sich einzelne Gäst*innen heraus und kontrollierten diese. Nach einer Weile erlaubte die Polizei den Gäst*innen und dem Personal wieder, sich zwischen Garten und Restaurant hin und herzubewegen (andernfalls hätte sie damit allen Gäst*innen den Zugang zu den Toiletten verwehrt). Als Polizist*innen eine mobilitätseingeschränkte Person auf Krücken brutal zu Boden drückte, reagierte ein Teil der Gäst*innen auf diese rohe Gewalteskalation mit Sprechchören. Als eine Polizistin dann auch noch ein lautes Streitgespräch mit einem anderen Gast begann, wurde die Situation unübersichtlich und die Stimmung im Raum angespannter. Mehr Gäst*innen traten ins Restaurant und die Sprechchöre wurden lauter. Nachdem die letzte Person befragt worden war, verliessen die Polizist*innen ohne Ankündigung weiterer Schritte das Lokal durch beide Ausgänge. Zwei Gäste wurden verhaftet und mitgenommen. Die übrigen Gäst*innen zeigten sich danach sichtlich befremdet, verstört und wütend.
Ein misslungener Testlauf?
Wir nehmen an, dass die Brass an jenem Abend Schauplatz einer misslungenen Übung wurde. Der Überfall auf die Brass kann deshalb nicht isoliert betrachtet, sondern muss als weiterer Angrikff auf alle solidarischen Räume in Bern sowie die Menschen gesehen werden, die sie beleben. An unsere Freund*innen richten wir deshalb den Aufruf, diesem und zukünftigen Angriffen von nun an gemeinsam die Stirn zu bieten!
Die völlig übertriebene Polizeipräsenz, die mangelhafte Zusammenarbeit zwischen den anwesenden Behörden sowie die schlechte Kommunikation mit Personal und Kundschaft führte zu einer chaotischen und angespannten Situation, wie sie für eine Arbeitsmarkontrolle alles andere als üblich ist. Wer so viele Fahrzeuge, Waffen und gewaltbereite Beamt*innen zu einer vermeintlichen Regelkontrolle mitbringt, will offensichtlich ein Zeichen setzen. Diesen plumpen Einschüchterungsversuch der Behörden auf Kosten unserer Gäst*innen und unseres Personals verurteilen wir aufs Schärfste. Wir fordern darüber hinaus eine detaillierte Aufarbeitung dieses Überfalls und eine Erklärung darüber, warum die Stadt diesen genehmigte.
Wer anwesend war und Beobachtungen gerne teilen möchte, kann dies über info@brasserie-lorraine.ch tun. Wir sind froh über jede Rückmeldung.